Das Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO
Das Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO)
war neben dem Kabelwerk der zweite große Industriestandort in Schöneweide. Auf einer Fläche von 140.000 qm entwickelte sich das Werk zu einem wichtigen Pionier der Berliner Elektroindustrie.
Die unter Denkmalschutz stehenden Industriebauten lassen die einstige Bedeutung des Transformatorenwerkes bis heute erahnen.
Transformatorenwerk Oberschöneweide
(TRO)
Der Aufschwung Berlins zur führenden Industriemetropole begann Ende des 19. Jahrh. mit der „schweren Elektrotechnik“, wozu der Bau von Werkzeugmaschinen und Transformatoren wesentlich gehörte.
Mit dem wachsenden Bedarf wurden die Industrieanlagen an der Spree kontinuierlich ausgebaut.

Großbanken und Industriebetriebe unter Beteiligung der AEG gründeten die Aktiengesellschaft „Deutsche Niles – Werkzeugmaschinenfabrik“ als Lizenznehmer der amerikanischen Niles Tool Campany in Ohio. Ziel war es, die nationale Fertigung zu stärken und die bis dahin führenden amerikanischen Produkte vom Markt zu verdrängen.

Foto: Ansicht Niles 1898.
Nach den Plänen von Baumeister Tropp wurde ein Verwaltungs-, ein Produktionsgebäude und eine Montagehalle erbaut. Das Gelände mit rund 72.000 Quadratmetern war an die Görlitzer Eisenbahn angebunden und hatte eigene Kaianlagen an der Spree. Eine gute Ausgangssituation für das wirtschaftliche Wachstum.

Foto: In der Niles-Montagehalle um 1900.
Die Produktion begann mit etwa 1.0000 Mitarbeitern. Es wurden u.a Drehbänke, Fräsmaschinen. Hobel-, Stoß- und Bohrmaschinen, später auch Pressluftwerkzeuge hergestellt.

Das Unternehmen stieg zu den weltweit bedeutendsten Herstellern von Präzisions-Werkzeugmaschinen auf. Auf der idealisierten Darstellung ist die historische Bebauung gut zu erkennen. Das Gelände wurde auf einer Nord-Süd-Achse, von der Wilhelminenhofstraße bis zur Spree, erschlossen. Im Vordergrund die Wilhelminenhofstraße mit kleinem Eingangstor. Im Westen der Hauptachse befand sich die siebenschiffige Maschinenhalle, im Osten die Verwaltungs- und Versorgungseinrichtungen. Die Spree liegt im Süden, ist aber im Hintergrund kaum zu erahnen.

Foto: Produktion von Granathülsen bei Niles in Oberschöneweide.
Mit dem Beginn des ersten Weltkriegs setzte Großbritannien eine Blockade für den deutschen Im- und Export durch. Das betraf neben Waffen und militärischen Ausrüstungen und Transportmitteln auch alle Maschinen, die der Produktion oder Reparatur von Waffen oder Munition dienen könnten. Dadurch wurde auch Niles hart getroffen. Die bisherige Produktpalette wurde eingestellt, stattdessen konnte Niles nur noch für den Krieg produzieren.

Foto: Sondermaschine mit der Markenkennzeichnung „MOAG“.
Umbenennung von Niles in „Maschinenfabrik Oberschöneweide AG“ (MOAG). Als die USA in den 1. Weltkrieg eintraten, schien die Bezeichnung einer deutschen Firma mit dem Namen einer amerikanischen Fabrik nicht mehr tragbar. Das Unternehmen wurde dazu gezwungen sich umzubenennen und unter dem Warenzeichen MOAG zu firmieren.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Unternehmen zurückbenannt in „Deutsche Niles Werke AG“. Alte Geschäftsbeziehungen wurden erfolgreich reaktiviert. Produktionsanlagen mussten erweitert und modernisiert werden. Statt Einzelanfertigungen stellte man auf Serienproduktion um. In Berlin-Weißensee konnten ein großes Grundstück und die Gebäude der Kugellagerfabrik August Riebe übernommen werden. Niles verkaufte die bisherigen Fabrikanlagen und einen Teil der Ausrüstung für 4,35 Mio Mark an die AEG.

Foto: Die „neue Montagehalle“ wurde 1915-16 von dem Architekten Paul Tropp für die Deutsche Niles -Werkzeugmaschinenfabrik erbaut und von der AEG Transformatorenfabrik übernommen.
Nach dem Kauf der leerstehenden Anlage verlagerte die AEG die bisherige „Fabrik für Hochspannungs-Übertragung“ aus dem Wedding nach Oberschöneweide. 1921 nahm das Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) den Betrieb auf. Innerhalb weniger Jahre wurde es zum führenden Unternehmen auf dem Gebiet des Großtransformatorenbaus. Bis zu 70 Prozent der deutschen Gesamtproduktion an Transformatoren und Hochspannungsschaltern wurden im TRO produziert.

Foto: Georg Stern (1867 bis 1934) Physiker, Ingenieur und erster Direktor der AEG Transformatorenfabrik TRO von 1921 bis 1931.
Georg Stern prägte maßgeblich die Entwicklung des (Groß-)Transformatorenbaus der AEG. Bereits im Jahr 1901 hatte er die Leitung der Prüffelder der AEG-Maschinenfabrik in der Berliner Brunnenstraße übernommen. 1908 wurde er der dortige Leiter der „Fabrik für Hochspannungsmaterial“ und richtete die weltweit erste Kurzschluss-Versuchsanlage ein. Mit der Übersiedlung nach Schöneweide wurde Stern erster Direktor der „Transformatorenfabrik“. Er und sorgte maßgeblich für Innovationen wie den von ihm entwickelten „Einheits-Transformatoren“ und die Entwicklung der Druckluftschaltertechnik zur Serienreife. In seiner Amtszeit wurde die Grundstücksfläche der Transformatorenfabrik auf 140.000qm verdoppelt.
In Anerkennung seiner Verdienste wurde er 1926 zum stellvertretenden Mitglied im AEG-Vorstand ernannt. - Georg Stern heiratete die Schwester von Käthe Kollwitz und war auch als Komponist erfolgreich tätig.

Foto: 20iger Jahre, Transformatorenbau in der neuen Montagehalle im TRO.
Am 1. September 1923 bebte die Erde in Japan.
Das Große Kantō-Erdbeben war eine der schwersten Katastrophen in der japanischen Geschichte. Es zerstörte weite Teile von Tōkyō und Yokohama, forderte über 100.000 Todesopfer und legte große Teile der Infrastruktur – insbesondere die Energieversorgung – lahm. Die japanische Regierung setzte auf die bewährte deutsche Elektrotechnik der AEG. In den folgenden Jahren lieferte das TRO robuste und leistungsfähige Transformatoren und Schaltanlagen für den Wiederaufbau der Elektrizitätsversorgung nach Japan.

Foto: Wickler an der Spulen-Spezialmaschine.
Drei Wochen lang dauerte der Streik der Wickler im Transformatorenwerk. Es ging um die Erhöhung des Stundenlohns von 44 Pfennig, im Akkord maximal 80 Pfennig. Auch die 48-stündige Wochenarbeitszeit drohte auf 50 Stunden ausgeweitet zu werden. Die Gewerkschaften hatten bis dahin einen Urlaubsanspruch von drei bis vier bezahlten Urlaubstagen im Jahr durchgesetzt. Der Arbeitskampf war erfolgreich. Der Stundenlohn für Schweißer, Kernbauer, Werkzeugmacher und Kranfahrer wurde auf 95 Pfennig erhöht.

Foto: Georg Klingenberg – (1870-1925) Ingenieur, Autokonstrukteur, Kraftwerksbauer. Ab 1902 Vorstandsmitglied der AEG.
Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg sollte die Stromversorgung des Berliner Ostens verbessert werden. Der Auftrag für den schlüsselfertigen Bau eines Steinkohlekraftwerks mit 270 MW Leistung ging an die AEG. Für die Ausführung des Projekts war das AEG-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Georg Klingenberg verantwortlich. Das TRO übernahm die Gesamtausführung, dazu die Kesselanlage und die Kohleaufbereitungsanlage. Mit diesem zusätzlichen Großauftrag war die Kapazität des TRO und der etwa 2.700 Mitarbeiter über Jahre ausgelastet.
Bei seiner Inbetriebnahme 1926 war das Kraftwerk Klingenberg das größte und modernste Kraftwerk Europas, ein Vorbild für eine neue Generation von Großkraftwerken und mit der damals hochmodernen Technik ein Meisterwerk.

Foto: Kraftwerksgebäude im Stil des Expressionismus.
Das betriebseigene Heiz- und Kraftwerk des TRO wurde nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt. Die Architekten Walter Klingenberg und Werner Issel entwarfen das markante Gebäude mit einer innovativen technischen Ausstattung. In den mit Kohlenstaub angefeuerten Kesseln wurde Dampf erzeugt, der über Kraftmaschinen geleitet, um elektrischen Strom zu erzeugen und dann für die Heizungsanlagen der Fabrikbauten genutzt. (Das Gebäude steht bis heute südlich vom Industriesalon)

Foto: Der weltgrößte Transformator aus Oberschöneweide.
Im TRO wurde der riesige Einphasen-Transformator entwickelt und gebaut, der zu seiner Zeit der größte der Welt war. Der Transformator wog über 100 Tonnen und wurde mit Spezialzügen direkt aus der Halle transportiert. Er diente der Umwandlung von Strom aus dem öffentlichen Netz in die für die Bahnversorgung benötigte Spannung. - Ein technisches Meisterwerk, das als Symbol für den Übergang in die elektrische Moderne steht und die Führungsrolle der AEG im Bereich Großelektronik deutlich macht.

Foto: Höchste Montagehalle Berlins.
Das Transformatorenwerk baute immer größere Transformatoren, für die deutlich höhere Räume benötigt wurden. Nach den Entwürfen des Architekten Ernst Ziesel und der Statikers Gerhard Mensch entstand die Großtransformatorenhalle. Zwei übereinanderliegende Kranbahnen von höchster Tragkraft (100 t) konnten die Transformatoren direkt auf die Eisenbahnanhänger transportieren.
Ziesel war neben Peter Behrens, Paul Tropp, Gottfried Klemm und Paul Sellmann einer der Hausarchitekten der AEG. Die Montagehalle gilt als ein richtungsweisendes Vorbild für den Industriebau der Neuen Sachlichkeit.

Foto: Der Blitzgenerator auf dem Dach der Montagehalle.
Um die Wetterfestigkeit der freistehenden Transformatoren zu prüfen, wurden sie mit sehr starken Blitzen beschossen. Das TRO verfügte seit den 20iger Jahren dafür über den leistungsstärksten „Stoßspannungsgenerator“, der damaligen Welt. Er konnte Spannungen bis 2,4 MV generieren.
Die jungen Physiker Arno Brasch und Fritz Lange kamen auf die Idee, die sehr hohen Spannungen für die Beschleunigung geladener Teilchen zu nutzen, deren Härte nuklearer Gammastrahlung entsprach. Mit der dabei erzeugten Freisetzung von Neutronen begann das Atomzeitalter !.
Die energiereichen Röntgenstrahlen konnten erstmals u.a in der Strahlentherapie eingesetzt werden.
Die Forschungen im TRO fanden mit der Machtübernahme der Nazis ein jähes Ende. Arno Brasch war jüdischer Herkunft und musste in die USA fliehen. Fritz Lange, der der KPD nahestand, emigrierte in die Sowjetunion, wo er über kernphysikalische Themen u.a. für eine Uranbombe arbeitete. Nach dem Krieg kehrte Lang nach Ost-Berlin zurück, wo er zuletzt als Direktor des Instituts für Biophysik der Akademie der Wissenschaften tätig war.

"Wer noch nie bei Siemens war, bei AEG oder Borsig, der kennt des Lebens Jammer nicht, der hat ihn erst noch vor sich!" (Berliner Spruch aus den 30iger Jahren)
Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre machte auch vor dem TRO nicht Halt. Die Zahl der Aufträge ging stark zurück, es kam zu Massenentlassungen. 1932 war die Zahl der Beschäftigten von ursprünglich über 4.000 auf 1.265 gesunken.
Nazizeit und 2. Weltkrieg
Nach der Machtergreifung Hitlers zog die Produktion wieder an, und es kam erneut zu technischen Höchstleistungen, etwa dem Bau des ersten Wandertransformators mit einer Leistung von 220 kV. Er wog stolze 165 Tonnen und musste mit einem 18-achsigen Schwerlastwaggon von 34 Meter Länge transportiert werden. 1938 wurde der mit 168 Tonnen weltweit größte Transformtor hergestellt.
Die AEG gab eine neue Betriebsordnung heraus:
„Voraussetzungen zur Einstellung in die Betriebsgemeinschaft der AEG sind Geeignetheit, arische Abstammung und Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront.“
Unter der Leistung der AEG war auch das TRO stark vom Export geprägt. Das war ein Grund dafür, dass der Konzern dem Nationalsozialismus anfangs reserviert gegenüberstand. Außerdem war die AEG von der jüdischen Familie Rathenau gegründet und über Jahrzehnte von jüdischen Deutschen erfolgreich geführt worden.
Doch der Kriegsbeginn 1939 brachte auch für das TRO eine komplette Umstellung der Produktion mit sich. Der größte Kunde wurde jetzt die Wehrmacht, von der gut die Hälfte aller Aufträge kam. Produziert wurden in erster Linie Munitionshülsen sowie Flakscheinwerfer und Bombenwurfvorrichtungen. Die Produktion kann nur mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern aufrechterhalten werden.
Zwangsarbeiter im TRO
Viele TRO-Arbeiter mussten die Front. Um die Produktion dennoch aufrechtzuerhalten, wurden anfangs Kriegsgefangene eingesetzt, dann zunehmend willkürlich Verhaftete aus den besetzten Ostgebieten wie der Ukraine und Weißrussland. Für sie waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen menschenunwürdig, viele starben. Von 1935 bis 1945 unterhielt die TRO-Direktion insgesamt 13 Lager. In der Produktion arbeiteten 1.143 ZwangsarbeiterInnen, = 38 % der Belegschaft.
Die „Ostarbeitererlasse“ enthielten folgende Bestimmungen:
- Verbot, den Arbeitsplatz zu verlassen
- Verbot, Geld und Wertgegenstände zu besitzen
- Verbot, Fahrräder zu besitzen
- Verbot, Fahrkarten zu erwerben
- Verbot, Feuerzeuge zu besitzen
- Kennzeichnungspflicht: Ein Stoffstreifen mit der Aufschrift „Ost“ musste gut sichtbar auf jedem Kleidungsstück befestigt werden
- Die Betriebsführer und Vorarbeiter besaßen ein Züchtigungsrecht
- Schlechtere Verpflegung als für Deutsche
- Weniger Lohn als Deutsche
- Verbot jeglichen Kontakts mit Deutschen, selbst der gemeinsame Kirchenbesuch war verboten.
Strenges Verbot des Geschlechtsverkehrs mit Deutschen, darauf stand zwingend die Todesstrafe - Gesonderte Unterbringung, nach Geschlechtern getrennt
- Bei Nichtbefolgen von Arbeitsanweisungen bzw. Widersetzlichkeiten drohte die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager, die Bedingungen in diesen Lagern ähnelten denjenigen eines Konzentrationslagers
Nach der Machtergreifung Hitlers zog die Produktion wieder an, und es kam erneut zu technischen Höchstleistungen, etwa dem Bau des ersten Wandertransformators mit einer Leistung von 220 kV. Er wog stolze 165 Tonnen und musste mit einem 18-achsigen Schwerlastwaggon von 34 Meter Länge transportiert werden. 1938 wurde der mit 168 Tonnen weltweit größte Transformtor hergestellt.
Die AEG gab eine neue Betriebsordnung heraus:
„Voraussetzungen zur Einstellung in die Betriebsgemeinschaft der AEG sind
Geeignetheit, arische Abstammung und Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront.“
Kriegsende
Nie zuvor produzierte das TRO mehr als in den Kriegsjahren 1941-42.
Wie viele industrielle Werke, so verfügte auch das TRO über eine Flak-Stellung zur Verteidigung gegen Luftangriffe, die von Mitarbeitern bedient wurde. Von Bombentreffern auf das Werk ist uns kaum etwas bekannt.
Um den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen, sprengte die Wehrmacht im letzten Kriegsmonat 1945 alle Spreebrücken. Durch die Druckwellen zerbrachen die Glasdächer auf den Produktionshallen. Es dauerte Jahre, bis sie wieder geflickt werden konnten.

Foto: Gesprengte Treskowbrücke.
In den ersten Monaten nach Kriegsende kämpfte die Belegschaft gegen die allgegenwärtigen Kriegsschäden und beteiligte sich an der „Enttrümmerung“.
„Die klassenbewussten Arbeiter… leisteten Aufräumungsarbeiten im doppelten Sinne. Schritt für Schritt begannen sie mit der Produktion, legten Maschinen aus dem Schutt frei, um das Leben im schwer zerstörten Berlin wieder zu normalisieren. Gleichzeitig jedoch mussten sie den geistigen Unrat beseitigen, den die faschistische Ideologie bei vielen Menschen unserer Stadt hinterlassen hatte.“ (aus: Unsere sozialistische Gemeinschaft hat sich bewährt – Festschrift zu 25 Jahren Transformatorenwerk „Karl Liebknecht“ Berlin)
Etwa 1,5 Millionen Ziegel wurden von den „Trojanern“ für den Wiederaufbau Berlins regeneriert. Zunächst wurden Straßenbahnen repariert und Gebrauchsgüter wie Bratpfannen und Elektromotoren hergestellt. Da es kein Glas gab, wurden die zerstörten Dachflächen der großen Produktionshallen notdürftig mit Transformatorenblechen abgedeckt. Doch im Winter 46/47 herrschten Raumtemperaturen von Minus 10 Grad. Kohlen gab es nicht, so wurden in den Fabrikhallen offene Lagerfeuer angezündet. 430 zumeist weibliche Mitarbeiterinnen wurden „Kälte beurlaubt“.
1947 wurde das Werk der sowjetischen Militäradministration unterstellt.
Prüffelder und Krananlagen wurden teilweise mehrfach demontiert und nach Russland abtransportiert. Man schätzt, dass Reparationszahlungen im Wert von 2,4 Mill. DM erbracht wurden. Die Produktion von Kleintransformatoren und Hochspannungsgeräten begann dennoch langsam wieder anzulaufen.

Foto: TRO-Werkseingang – zwischen AEG und „volkseigenem Betrieb“ (VEB).
Auf Grundlage des Magistratsbeschlusses vom 8. Februar 1949 wurden die Eigentümer des TRO – die AEG -- entschädigungslos enteignet. Das Werk wurde zum „Volkseigenen Betrieb“ (VEB) und umbenannt in: "VEB AEG-Fabriken für Transformatoren und Hochspannungsschalter. Mit etwa 3000 Mitarbeitern wurde das bewährte Vorkriegs-Produktionsprogramm der AEG wieder aufgenommen: Bau mittlerer und großer Transformatoren, Spezialtransformatoren Hochspannungsschaltgeräte, Elektromotoren und Sicherungen.
Wie alle Großbetriebe in der DDR, so wurde auch das TRO nun staatlich verwaltet. Die Produktion wurde zentral geplant, gesteuert und finanziert. Bis 1949 war das Werk dem Berliner Magistrat bzw. dem Bezirksamt Köpenick unterstellt, ab 1953 gehörte das TRO zu den "VEM Fabriken zur Vereinigung der Volkseigenen Betriebe (VVB) im Bereich Elektro-Maschinenbau (VEM).
Weil das Werk einen Spezialauftrag (Spannungswandler) für die Sowjetunion erfolgreich erfüllt hatte, wurde ihm zusätzlich der „Ehrentitel“: "VEB Transformatorenwerk Karl Liebknecht“ verliehen. Anfang der 50iger Jahren ging etwa 80% der Produktion als Export in die Sowjetunion.

Nach der Teilung Deutschlands musste die DDR neue Energieressourcen erschließen - vor allem für die Entwicklung der Großindustrie. Für das "Kohle- und Energieprogramm der DDR" (1956) wurden neue Kohle-Kraftwerke in der Lausitz gebaut. Auf Befehl des Zentralkomitees (ZK) der Sowjetunion sollten das TRO die benötigten Großtransformatoren mit 630 MVA fertigen. Auch für den Stromtransport aus den Kraftwerken wurden vermehrt Trafos gebraucht. Die Produktion von Hochspannungstechnik nahm zu - wie Messwandler und Stufenschalter, die in vielen Ländern der Welt zum Einsatz kamen. Die Fabrikanlagen vom TRO wurden angepasst und trotz der sehr beschränkten Mittel erweitert. Das TRO entwickelte sich zum „Hoflieferant“ der staatlichen Energiewirtschaft und zu einem der größten Betriebe im „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) – dem Wirtschaftsbündnis der sozialistischen Staaten.

Nach der Teilung Deutschlands musste die DDR neue Energieressourcen erschließen - vor allem für die Entwicklung der Großindustrie. Für das "Kohle- und Energieprogramm der DDR" (1956) wurden neue Kohle-Kraftwerke in der Lausitz gebaut. Auf Befehl des Zentralkomitees (ZK) der Sowjetunion sollten das TRO die benötigten Großtransformatoren mit 630 MVA fertigen. Auch für den Stromtransport aus den Kraftwerken wurden vermehrt Trafos gebraucht. Die Produktion von Hochspannungstechnik nahm zu - wie Messwandler und Stufenschalter, die in vielen Ländern der Welt zum Einsatz kamen. Die Fabrikanlagen vom TRO wurden angepasst und trotz der sehr beschränkten Mittel erweitert. Das TRO entwickelte sich zum „Hoflieferant“ der staatlichen Energiewirtschaft und zu einem der größten Betriebe im „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) – dem Wirtschaftsbündnis der sozialistischen Staaten.

Foto: DDR-Werbebroschüre.
Wie jeder Großbetrieb in der DDR, so wurde auch das TRO verpflichtet, „Konsumgüter“ herzustellen. Ab Anfang der 70iger Jahre ging der Rasenmäher Trolli in die Produktion.
Hintergrund: In der DDR wuchs die Kaufkraft schneller als das Angebot an Waren. Da die Konsumwünsche der Kunden nicht abgedeckt werden konnten und weil die Unzufriedenheit stieg, wurden alle Betriebe aufgefordert, 5% ihrer Gesamtproduktion als Waren für den Konsum herzustellen.
Das TRO entwickelte den Rasenmäher Trolli - ein unerwarteter Verkaufserfolg. Unfreiwillig wurde das TRO zum größten Rasenmäherhersteller im gesamten Ostblock. Bis 1987 werden 500 000 Rasenmäher produziert, einige sind heute noch im Einsatz.
Von Oberschöneweide nach Afrika, Ägypten, Iran, Irak, Syrien
Der Zeitzeuge Dieter Scholz (Transportabteilung im TRO) erinnert sich:
So war das in der DDR – wir mussten immer improvisieren, immer mit dem Mangel kämpfen und uns immer was einfallen lassen… Die ständige Devisenknappheit hat zu den absurdesten Komplikationen geführt, zum Beispiel bei der Auswahl der Prüfstation. Jeder Grosstrafo musste vor dem ersten Einsatz von einer unabhängigen Prüfstation geprüft werden. Die nächste Prüfstation stand in Hamburg, das wäre natürlich ein Hüpfer gewesen, aber es hätte Devisen gekostet. Also sollte es die Prüfstation in Belgrad sein, damals Teil von Jugoslawien. Da ist die Prüfung billiger gewesen, aber dafür mussten wir das Ding quer durch Europa transportieren. Und das noch nicht mal auf dem kürzesten Weg: Der Trafo hatte Überbreite, und in der Sächsischen Schweiz sind die Berge streckenweise so dicht am Schienennetz, dass der Waggon nicht durchkommen konnte. Also mussten wir durch Polen fahren, von dort nach Ungarn, und dann über Rumänien weiter nach Jugoslawien. Wegen der Überbreite durfte auch kein Zug entgegenkommen. Wir sind immer nur nachts gefahren, tagsüber mussten wir irgendwo stehen, da sind extra alle Fahrpläne umgebaut worden. Einmal in Ungarn, als die Begleiter abends zum Zug kamen, lag der Waggon mit dem Trafo plötzlich einen halben Meter tiefer als am Morgen, da war das Erdreich abgesackt. Ja, es gab schon Riesenprobleme mit diesen Schwertrafotransporten. Aber wir haben es immer geschafft, sie zu lösen.
(Interview: Tanja Stern)
Das TRO - ein sozialistischer Modell-Betrieb
Für die Erreichung der gesellschaftspolitischen Ziele der DDR war die „Herausbildung der neuen, sozialistischen Persönlichkeit“ erklärtes Ziel. Dabei spielte der Betrieb eine entscheidende Rolle. Neben der politischen Erziehung und betrieblichen Einbindung in Brigaden wurde eine umfassende Vollversorgung der Betriebsangehörigen angestrebt. Sie sollte auch alle persönlichen Bereiche umfassen. Mit den Angeboten verbunden war die Bindung an den Betrieb ebenso wie die Überwachung und Kontrolle der Mitarbeitenden.
Betriebliche Einrichtungen, die zum TRO gehörten
Die Poliklinik
In der DDR stellten Polikliniken die Basis der Gesundheitsbetreuung der Bevölkerung dar. Unter einem Dach wurde die gesamte ambulante medizinische Versorgung angeboten – incl. Zahnarzt, sämtliche Ärzte, der Apotheke und Massage – – für die 6.000 TRO-Angehörigen und die Nachbarschaft.
Das Kulturhaus des VEB TRO
In der DDR gab es etwa 2.000 Kulturhäuser – Orte für kulturelle Bildung und Unterhaltung in der Stadt und auf dem Land. Jeder Großbetrieb hatte ein eigenes Kulturhaus – so auch das TRO:
„In Zirkeln, Arbeitsgemeinschaften und Volkskunstgruppen verbringen die Werktätigen dort sinnvoll ihre Freizeit“
Die Berufsschule des VEB TRO in der Wilhelminenhofstraße
Dort werden „jährlich 400 Mädchen und Jungen zu klassenbewussten Facharbeitern herangebildet und rund 1.300 Schüler im polytechnischen Unterricht mit der sozialistischen Produktion vertraut gemacht.“
Das Erholungszentrum Wernsdorf – und das Ferienobjekt Gunzen mit 404 Ferienplätzen
In der Vor- und Nachsaison gab es 18 Plätze für vorbeugende Kuren für Schichtarbeiter im TRO. Insgesamt bot das TRO im Jahr 1973 = 2.434 Ferienplätze für TROjaner.
- Die Kinderkrippe Wuhlheide mit 142- Plätzen
- Der Kindergarten Wattstraße mit 50 Plätzen
- Das Kinderferienlager mit 168 Plätzen
Und weiter:
- Sportgruppen und Betriebssportfeste
- Betriebseigene Kampfgruppen
- Komitees der Zivilverteidigung

Foto: „Das TRO erfüllt Weltmarktforderungen“ - Präsentation auf der Leipziger Messe.
Die Leistungsanforderungen wuchsen weiter. 1981 wurde mit 6.450 MVA die Höchstleistung in der gesamten Betriebsgeschichte realisiert.
Um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, mussten fortlaufend neue Technologien und verbesserte Materialien eingesetzt werden. Die aber konnten nicht in der DDR hergestellt werden, sondern mussten aus dem „kapitalistischen Ausland“ importiert werden. Die Bezahlung war nur in Devisen möglich (nicht in DDR-Mark). Devisen standen der DDR aber nicht ausreichend zur Verfügung. Fehlende Investitionsmittel, der Mangel an Material und Ersatzteilen bei ansteigenden Leistungsanforderungen führten zu einer wachsenden KRISE. Dazu kam eine wachsende Zahl an Reparaturen für schadhafte Produkte. Immer mehr Lok-Trafos fielen aus, in Kraftwerksblöcken kam es zu Erwärmungsproblemen. Weil bei jeder Havarie ein Sabotageakt vermutet wurde, war das TRO ständig unter Beobachtung der Staatssicherheit (Stasi).
Zunehmende Versorgungsengpässe zwangen das Werk, alle Fertigungsschritte selber zu machen. So musste z.B. eine Leichtmetallgießerei übernommen werden. Infolge fehlender Investitionsmittel verschlechterten sich die Fertigungs- und Prüfbedingungen weiter.

Foto: „Winterkampf“ im Kraftwerk Boxberg - Foto: Sächsische Zeitung.
Im Winter 1986/1987 herrschte extreme Kälte. Bei bis zu minus 20 Grad stieg der Strombedarf enorm, die Kraftwerke waren im „Winterkampf“. Im Kraftwerk Boxberg gefror die Kohle zu Eisklumpen. Um dennoch ausreichend Dampf für die Turbinen zu produzieren, musste der Generator mit Öl befeuert werden. Innerhalb kürzester Zeit wurde er so heiß, dass es zu einer heftigen Explosion kam. Später fand man heraus, dass ein Schalter in der Schaltanlage nicht funktioniert hatte.- er war wegen einer kaputten Fensterscheibe eingefroren.
Infolge der Hitze des Feuers erweichten die Stahlträger der Dachkonstruktion und das etwa 22 m hohe Gebäude stürzte ein. Der Brand erfasste auch das Maschinenhaus von Block 14, dessen Generator nun per Not-Abschaltung vom Netz ging. Die DDR lag im Dunkel.
Der Ausfall von 1000 MW Kraftwerksleistung führte zu Engpässen in der gesamten Elektroenergieversorgung der DDR. Der Staatsrat der DDR leitete eine Untersuchung ein. Doch ein zunächst vermuteter Sabotageakt konnte ausgeschlossen werden. Stattdessen wurden nun die so dringend benötigten Investitionen für das TRO bewilligt und dringend benötigte Investitionsmittel in Höhe von 500 Mill. Mark freigegeben. Die Rekonstruktion des Werkes begann.

Der Aufbau moderner Infrastruktur im Werk wurde vorbereitet, neue Gebäude errichtet. Für die Werksangehörigen gab es keinen Zweifel an der erfolgreichen Zukunft des TRO.

TRO-Broschüre „Elektroenergie zuverlässig beherrschen“