GROSSBETRIEBE BIS 1989

Kabelwerk Oberspree (KWO) damals

Ende der neunziger Jahre des 19.Jahrh. ging man mehr und mehr dazu über, elektrische Freileitungen durch unterirdisch verlegte Kabel zu ersetzen. Um den steigenden Bedarf an isolierten Drähten entsprechen zu können, wurde das Kabelwerk Oberspree gegründet, das 1898 die Produktion aufnahm.

Kabelwerk Oberspree

(KWO)

Vorläufer: Kabel für Schwachstromanwendungen (bes. für Telegraphie) gab es ab Anfang des 19.Jahrhunderts. Die Grundlagen der Starkstromtechnik wurden von Thomas Alva Edison (1847-1931) entwickelt. Der Aufbau der elektrischen Industrien basierte auf seinen mehr als 1.000 grundlegenden Patenten (für Glühbirnen, Schalter, Motoren, Magnete etc.)

1882
1895
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1897
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1899
1900
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1904
1913
1915

Erster Weltkrieg

Wie alle großen Unternehmen, so musste auch das KWO auf Kriegsproduktion umstellen Täglich wurden 50 000 Stahlkartuschen für Granaten produziert, dazu Mörserhülsen, Hartgummiverteilerplatten für Feldküchen, Zündapparate , Munitions- und Scheinwerferwagen, Feldbetten und Stacheldraht.

In Kriegszeiten arbeiteten bis zu 24.000 Menschen im KWO.

Frauen in der Kriegsproduktion - Foto: Bildarchiv preussischer Kulturbesitz

1920 – 1939

Das KWO um 1920

In den 20er Jahren erlebte das KWO einen erneuten Aufschwung. Die Fertigungsflächen wurden aufgestockt und verdichtet, neue Anlagen wurden im modernen Bauhausstil errichtet. Werkhöfe mit in sich geschlossenen Fabriken gliederten das Gelände. 1929 bestand das Werk aus 25 großen Hallenblöcken und vielen kleineren Gebäuden. Der gelbe Backstein wurde beibehalten und sorgte für ein einheitliches Erscheinungsbild der AEG-Gebäude. – Finanzielle Stabilität versprach der Einstieg der amerikanischen General electric Company (GE), die Ende der 20iger Jahre 12,5 % an der AEG hielt.

Zweiter Weltkrieg

Foto: Bildarchiv preussischer Kulturbesitz

Mit Beginn des Krieges musste auch das KWO vor allem militärischen Anforderungen entsprechen.
Das zentral zur Verfügung gestellte Materialen und Arbeitskräfte durften nur für kriegs- und lebenswichtige Zwecke verwendet werden.

Die AEG steigerte den Rüstungsanteil an der Gesamtproduktion von anfangs 3,5% auf etwa 11%. Das KWO steigerte die Produktion um etwa 10%. Der Einsatz von Elektrotechnik war für die Wehrmacht und die Industrie entscheidend. Dafür wurden die Maschinenkapazitäten erweitert. Um unabhängig von Rohstoffen aus Übersee zu werden, wurden zwangsläufig neue Verfahren entwickelt.

1936 wurde ein Koaxialkabel für die Fernsehübertragung Berlin–Leipzig eingesetzt, 1938 erfolgte die Verlegung einer 150-kV-Trasse von Rotterdam nach Den Haag.

Zwangsarbeiter

Im Kriegsverlauf wurden immer mehr deutsche Männer eingezogen. Durch die „totale Mobilmachung“ mussten die KWO-Arbeiter nun 72 Stunden wöchentlich arbeiten, dazu wurde eine „Arbeitsdienstpflicht“ für Frauen eingeführt.

Dann wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt. Ab 1939 setzte die AEG verschleppte Menschen als Zwangsarbeiter ein. 1941 stellten sie ein Drittel der gesamten Belegschaft. In Treptow-Köpenick gab es mehr als 200 Zwangsarbeiterlager und zwei KZ-Außenlager. Viele überlebten die brutalen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht.

Jelena

Jelena

Als 17-Jähringe wurde Jelena Lupalowa aus der Ukraine nach Berlin verschleppt. Im KWO musste sie unter SS-Bewachung an der Wickeldrahtmaschine arbeiten.
Nach einem Fluchtversuch wurde sie im KZ Ravensbrück interniert und erkrankte an Typhus. Im August 1945 konnte sie nach Hause zurückkehren.

Auf Einladung der „deutsch-sowjetischen Freundschaft“ besuchte sie 1982 wieder das KWO. An ihrem ehemaligen Arbeitsplatz holten sie furchtbare Erinnerungen ein.

Kriegsende

Im April 45 besetzte die Rote Armee Schöneweide. Das KWO wurde nun von sowjetischen Soldaten bewacht und erhielt einem sowjetischen Kommandanten. Knapp ein Fünftel aller Maschinen und Anlagen im KWO galten als unbrauchbar. Anfangs waren sie überwiegend mit Aufräumarbeiten und dem Verladen von Demontagegut beschäftigt. Neben der Herstellung von Kabeln wurden auch dringend benötigte Konsumgüter wie Löffel, Bratpfannen Öfen, und Feuerzeuge produziert. Das KWO diente der Roten Armee zunächst als Umschlagplatz für Demontagegut. Anfangs war man sie überwiegend mit Aufräumarbeiten und dem Verladen von Demontagegut beschäftigt. Neben der Herstellung von Kabeln wurden Abfälle dazu benutzt, um dringend benötigte Konsumgüter wie Löffel, Bratpfannen Öfen, und Feuerzeuge zu produzieren.

Zunächst sollte das KWO vollständig demontiert und in die Sowjetunion gebracht werden. Tatsächlich abgebaut wurden das Kupferwalzwerk und Werkzeugmaschinen, später auch die Maschinen und Anlagen der Fernmeldeapparatefabrik. Schon Ende 1945 nahmen alle KWO-Betriebe die Produktion wieder auf.

Wie stark wurde das KWO zerstört?
Die Angaben dazu schwanken und liegen bei etwa 30 % an Maschinen und 20 % an Gebäuden. In den wichtigsten Kriegsabteilungen, wie z.B. dem Metallwerk, wurde das Produktionsniveau bis zum Kriegsende gehalten.
Große Schäden entstanden bei der „Schlacht um Berlin“, als die Wehrmacht mit der Sprengung umliegender Spree-Brücken den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen versuchte. Bei den Endkämpfen wurden Gebäude zerstört, das Energienetz brach zusammen, das KWO hörte fast vollständig auf zu produzieren.

1946
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1952
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1985
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