Industrieareale ab 1989 bis heute

Das Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO

Das Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO)
war neben dem Kabelwerk der zweite große Industriestandort in Schöneweide. Auf einer Fläche von 140.000 qm entwickelte sich das Werk zu einem wichtigen Pionier der Berliner Elektroindustrie.
Die unter Denkmalschutz stehenden Industriebauten lassen die einstige Bedeutung des Transformatorenwerkes bis heute erahnen.

Transformatorenwerk Oberschöneweide

(TRO)

Der Aufschwung Berlins zur führenden Industriemetropole begann Ende des 19. Jahrh. mit der „schweren Elektrotechnik“, wozu der Bau von Werkzeugmaschinen und Transformatoren wesentlich gehörte.

Mit dem wachsenden Bedarf wurden die Industrieanlagen an der Spree kontinuierlich ausgebaut.

1898
1899
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1920
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TRO 1929
TRO 1929
Die TRO-Gesamtanlage Ende der 20iger Jahre
1930
1932

Nazizeit und 2. Weltkrieg

Nach der Machtergreifung Hitlers zog die Produktion wieder an, und es kam erneut zu technischen Höchstleistungen, etwa dem Bau des ersten Wandertransformators mit einer Leistung von 220 kV. Er wog stolze 165 Tonnen und musste mit einem 18-achsigen Schwerlastwaggon von 34 Meter Länge transportiert werden. 1938 wurde der mit 168 Tonnen weltweit größte Transformtor hergestellt.

Die AEG gab eine neue Betriebsordnung heraus:

„Voraussetzungen zur Einstellung in die Betriebsgemeinschaft der AEG sind Geeignetheit, arische Abstammung und Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront.“

TRO Nazizeit und 2. Weltkrieg
Schwertransport auf der Wilhelminenhofstraße
TRO arbeiterkneipen
Direkt gegenüber den großen Industriebetrieben gab es Dutzende von Arbeiterkneipen. Ab 1933 verschärften sich die Kämpfe und die Kneipen wurden zu wichtigen Stützpunkten entweder der Sozialdemokraten und Kommunisten oder der Nationalsozialisten - im Bild das Restaurant Höflich, das zur Hochburg der SA und ein Nazi-Sturm-Lokal war.

Unter der Leistung der AEG war auch das TRO stark vom Export geprägt. Das war ein Grund dafür, dass der Konzern dem Nationalsozialismus anfangs reserviert gegenüberstand. Außerdem war die AEG von der jüdischen Familie Rathenau gegründet und über Jahrzehnte von jüdischen Deutschen erfolgreich geführt worden.
Doch der Kriegsbeginn 1939 brachte auch für das TRO eine komplette Umstellung der Produktion mit sich. Der größte Kunde wurde jetzt die Wehrmacht, von der gut die Hälfte aller Aufträge kam. Produziert wurden in erster Linie Munitionshülsen sowie Flakscheinwerfer und Bombenwurfvorrichtungen. Die Produktion kann nur mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern aufrechterhalten werden.

 

Zwangsarbeiter im TRO

Viele TRO-Arbeiter mussten die Front. Um die Produktion dennoch aufrechtzuerhalten, wurden anfangs Kriegsgefangene eingesetzt, dann zunehmend willkürlich Verhaftete aus den besetzten Ostgebieten wie der Ukraine und Weißrussland. Für sie waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen menschenunwürdig, viele starben. Von 1935 bis 1945 unterhielt die TRO-Direktion insgesamt 13 Lager. In der Produktion arbeiteten 1.143 ZwangsarbeiterInnen, = 38 % der Belegschaft.

ostarbeitererlasse
Werksausweise für ZwangsarbeiterInnen

Die „Ostarbeitererlasse“ enthielten folgende Bestimmungen:

  • Verbot, den Arbeitsplatz zu verlassen
  • Verbot, Geld und Wertgegenstände zu besitzen
  • Verbot, Fahrräder zu besitzen
  • Verbot, Fahrkarten zu erwerben
  • Verbot, Feuerzeuge zu besitzen
  • Kennzeichnungspflicht: Ein Stoffstreifen mit der Aufschrift „Ost“ musste gut sichtbar auf jedem Kleidungsstück befestigt werden
  • Die Betriebsführer und Vorarbeiter besaßen ein Züchtigungsrecht
  • Schlechtere Verpflegung als für Deutsche
  • Weniger Lohn als Deutsche
  • Verbot jeglichen Kontakts mit Deutschen, selbst der gemeinsame Kirchenbesuch war verboten.
    Strenges Verbot des Geschlechtsverkehrs mit Deutschen, darauf stand zwingend die Todesstrafe
  • Gesonderte Unterbringung, nach Geschlechtern getrennt
  • Bei Nichtbefolgen von Arbeitsanweisungen bzw. Widersetzlichkeiten drohte die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager, die Bedingungen in diesen Lagern ähnelten denjenigen eines Konzentrationslagers

Nach der Machtergreifung Hitlers zog die Produktion wieder an, und es kam erneut zu technischen Höchstleistungen, etwa dem Bau des ersten Wandertransformators mit einer Leistung von 220 kV. Er wog stolze 165 Tonnen und musste mit einem 18-achsigen Schwerlastwaggon von 34 Meter Länge transportiert werden. 1938 wurde der mit 168 Tonnen weltweit größte Transformtor hergestellt.

Die AEG gab eine neue Betriebsordnung heraus:

„Voraussetzungen zur Einstellung in die Betriebsgemeinschaft der AEG sind

Geeignetheit, arische Abstammung und Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront.“

TRO Nazizeit und 2. Weltkrieg
Frauen in der Kriegsproduktion - Foto: Bildarchiv preussischer Kulturbesitz

Kriegsende

bombentreffer
Bombentreffer in der Edisonstraße, im Hintergrund die TRO-Montagehalle

Nie zuvor produzierte das TRO mehr als in den Kriegsjahren 1941-42.

Wie viele industrielle Werke, so verfügte auch das TRO über eine Flak-Stellung zur Verteidigung gegen Luftangriffe, die von Mitarbeitern bedient wurde. Von Bombentreffern auf das Werk ist uns kaum etwas bekannt.

Um den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen, sprengte die Wehrmacht im letzten Kriegsmonat 1945 alle Spreebrücken. Durch die Druckwellen zerbrachen die Glasdächer auf den Produktionshallen. Es dauerte Jahre, bis sie wieder geflickt werden konnten.

1946/47
1947
Ab 1949
Ab 1949
Ab 1970
Ab 1970
TRO zeitzeuge scholz
Transport eines Großtransformators (Gewicht über 200 Tonnen) auf 18-achsigem „Schnabelwagen“ – Betriebsbahn auf der Wilhelminenhofstraße

Von Oberschöneweide nach Afrika, Ägypten, Iran, Irak, Syrien

Der Zeitzeuge Dieter Scholz (Transportabteilung im TRO) erinnert sich:

So war das in der DDR – wir mussten immer improvisieren, immer mit dem Mangel kämpfen und uns immer was einfallen lassen… Die ständige Devisenknappheit hat zu den absurdesten Komplikationen geführt, zum Beispiel bei der Auswahl der Prüfstation. Jeder Grosstrafo musste vor dem ersten Einsatz von einer unabhängigen Prüfstation geprüft werden. Die nächste Prüfstation stand in Hamburg, das wäre natürlich ein Hüpfer gewesen, aber es hätte Devisen gekostet. Also sollte es die Prüfstation in Belgrad sein, damals Teil von Jugoslawien. Da ist die Prüfung billiger gewesen, aber dafür mussten wir das Ding quer durch Europa transportieren. Und das noch nicht mal auf dem kürzesten Weg: Der Trafo hatte Überbreite, und in der Sächsischen Schweiz sind die Berge streckenweise so dicht am Schienennetz, dass der Waggon nicht durchkommen konnte. Also mussten wir durch Polen fahren, von dort nach Ungarn, und dann über Rumänien weiter nach Jugoslawien. Wegen der Überbreite durfte auch kein Zug entgegenkommen. Wir sind immer nur nachts gefahren, tagsüber mussten wir irgendwo stehen, da sind extra alle Fahrpläne umgebaut worden. Einmal in Ungarn, als die Begleiter abends zum Zug kamen, lag der Waggon mit dem Trafo plötzlich einen halben Meter tiefer als am Morgen, da war das Erdreich abgesackt. Ja, es gab schon Riesenprobleme mit diesen Schwertrafotransporten. Aber wir haben es immer geschafft, sie zu lösen.

(Interview: Tanja Stern)

Das TRO - ein sozialistischer Modell-Betrieb

Für die Erreichung der gesellschaftspolitischen Ziele der DDR war die „Herausbildung der neuen, sozialistischen Persönlichkeit“ erklärtes Ziel. Dabei spielte der Betrieb eine entscheidende Rolle. Neben der politischen Erziehung und betrieblichen Einbindung in Brigaden wurde eine umfassende Vollversorgung der Betriebsangehörigen angestrebt. Sie sollte auch alle persönlichen Bereiche umfassen. Mit den Angeboten verbunden war die Bindung an den Betrieb ebenso wie die Überwachung und Kontrolle der Mitarbeitenden.

versammlung im TRO
Versammlung im TRO, 70er Jahre Zur sozialistischen Betriebsorganisation gehörte die Bildung von Brigaden. Sie dienten der politischen Erziehung, sollten das Gemeinschaftsgefühl der Arbeitenden fördern und die Arbeitsproduktivität steigern.

Betriebliche Einrichtungen, die zum TRO gehörten

Die Poliklinik

TRO poliklinik

In der DDR stellten Polikliniken die Basis der Gesundheitsbetreuung der Bevölkerung dar. Unter einem Dach wurde die gesamte ambulante medizinische Versorgung angeboten – incl. Zahnarzt, sämtliche Ärzte, der Apotheke und Massage – – für die 6.000 TRO-Angehörigen und die Nachbarschaft.

Das Kulturhaus des VEB TRO

TRO kulturhaus

In der DDR gab es etwa 2.000 Kulturhäuser – Orte für kulturelle Bildung und Unterhaltung in der Stadt und auf dem Land. Jeder Großbetrieb hatte ein eigenes Kulturhaus – so auch das TRO:

„In Zirkeln, Arbeitsgemeinschaften und Volkskunstgruppen verbringen die Werktätigen dort sinnvoll ihre Freizeit“

Die Berufsschule des VEB TRO in der Wilhelminenhofstraße

TRO berufsschule

Dort werden „jährlich 400 Mädchen und Jungen zu klassenbewussten Facharbeitern herangebildet und rund 1.300 Schüler im polytechnischen Unterricht mit der sozialistischen Produktion vertraut gemacht.“

Das Erholungszentrum Wernsdorf – und das Ferienobjekt Gunzen mit 404 Ferienplätzen

TRO Wernsdorf
Während der Saison verleben vorwiegend kinderreiche Familien ihren Urlaub im Naherholungsheim Wernsdorf.

In der Vor- und Nachsaison gab es 18 Plätze für vorbeugende Kuren für Schichtarbeiter im TRO. Insgesamt bot das TRO im Jahr 1973 = 2.434 Ferienplätze für TROjaner.

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1989