Industrieareale ab 1989 bis heute

Kabelwerk Oberspree (KWO) heute

Nach 1989, mit der Wiedervereinigung Deutschlands, erlebte die Kabelproduktion in Berlin – besonders im Osten – tiefgreifende Umbrüche. Mit dem Ziel der Privatisierung oder Abwicklung übernahm die Treuhandanstalt den Betrieb. Das KWO wurde geteilt und mehrfach weiterverkauft.

Kabelwerk Oberspree

(KWO)

Der westliche Teil des KWO-Geländes gehört heute der Wilms-Gruppe. Die Wilms-Gruppe mit Sitz in Menden wurde in den 1970ßer Jahren gegründet und umfasst mehr als 50 Unternehmen. Einige Anlagen werden weiterhin für die Kabelproduktion genutzt. Als Mieter sind verschiedene Firmen auf dem Gelände tätig, ein großer Teil der denkmalgeschützten Gebäude steht leer.
1989
1990
1992
1992
1993
1997
1997

Die Wilms-Gruppe betreibt auf dem KWO Gelände folgende Betriebe (Stand 2025)

Bayerische Kabelwerke, Bayka AG
Produktionsstandort Berliner Glasfaserkabel GmbH

Eigentümer: Wilms-Gruppe

Seit 2013 produziert die Berliner Glasfaserkabel GmbH in eine modernen Produktionshalle auf dem Gelände des KWO. Als Tochterunternehmen der Bayerischen Kabelwerke AG (Bayka) die zur Wilms-Gruppe gehörten ist BGF ein zentraler Produktionsstandort für Lichtwellenkabel und Glasfaserkabel. Kundenspezifische Kabellösungen ergänzen das Standardprogramm.

Südkabel GmbH

Eigentümer: Wilms-Gruppe

2004 erwarb Johann Erich Wilms das Kabel- und Garniturenwerk mit all seinen Aktivitäten in Mannheim von ABB. Seitdem trägt das Unternehmen wieder den traditionsreichen Namen Südkabel GmbH.
Standorte auf der ganzen Welt

2024 verkauft Wilms 90% Mehrheitsbeteiligung an der Südkabel GmbH an japanische Sumitomo Electric Industries, die einen Großauftrag für den Ausbau der deutschen „Strom-Autobahnen“ erhalten hat.

Geschäftsleiter Harald Baumbach präsentiert die Produkte von Spirka Schnellflechter weltweit auf internationalen Messen, vor allem in Indien.

Spirka Schnellflechter GmbH

Eigentümer: Wilms-Gruppe

Ein traditionsreiches Maschinenbauunternehmen, das auf die Herstellung von Flecht-, Spiral- und Wickelmaschinen für die Kabel-, Schlauch- und Medizintechnikindustrie spezialisiert ist. Die Firmengeschichte geht bis auf das Jahr 1908 zurück. Seit 2009 werden in historischen Produktionshallen vom KWO mit etwa 33 Mitarbeitern maßgeschneiderte Lösungen für verschiedenste Anwendungen hergestellt.

Das Produktionsbüro des Unternehmens befindet sich im EG der historischen AEG-Kantine.

Aus Kupferbarren werden zunächst Stangen, dann feine Kupferdrähte gezogen

BDK Drahtzieh- und Kunststoffaufbereitungsbereitstellungsgesellschaft

Eigentümer: Wilms-Gruppe

Neben Produkten aus Kupfer bietet BDK Kabel Erzeugnisse aus Aluminium  – ein weit gefächertes Sortiment an Kupfer- Rund- und Bündeldrähten, Litzen sowie blanke und verzinnte Seile. Bestandteile des Angebots sind auch Blitzschutz-Produkte, wie Massivdraht und Blitzschutz-Seile aus Kupfer- und Aluminium. Hinzu kommen PVC-Compounds wie Extrusions- und Spritzgussmischungen für Kabelisolierungen und -mäntel, aber auch zur Herstellung von Schläuchen, Steckern, Profilen oder Platten.

Weitere Unternehmen, die als Mieter im KWO tätig sind:

Objects Manufacturing

Vinyl Record Pressing Plant.

Nachhaltige Herstellung von Vinylschallplatten.

Bootsfritze

Dienstleistungen für Boote

Inhaber: Martin Fritze

Reparaturen, Wartungsarbeiten, Umbauarbeiten

BMK-Bau-Montagen

Tischlerei

Inhaber: Rene Klaunick

Einbau genormter Baufertigungsteile, Verlegen von Fußböden, Montage von Türen und Fenstern

IAG Testroe GmbH

Geschäftsführer:Frank Neuer

Misch- und Dosiergeräte, Versorgungsstationen, Hochleistungsseparatoren

Rolls-Royce Solutions GmbH

Ein Standort von 1200 Standorten weltweit.

Michael H. Hierholzer, Managing Director

2013 wurde die Qinous GmbH als Start-Up Unternehmen aus der HTW Berlin gegründet. Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Systemen zur erneuerbaren Energieerzeugung, insbesondere Speicherung sowie Erbringung von Beratungs- und Serviceleistungen zur Anwendung von erneuerbaren Energiesystemen; 2020 übernahm der britische Technologiekonzern Rolls-Royce mit dem Geschäftsbereich Power Systems die Mehrheitsanteile an Qinou. Die Rolls-Royce Solutions GmbH in Berlin (ehemals Qinous) entwickelt Microgrid-Lösungen einschließlich Energiespeichersystemen, die abgelegene Gebiete, Industrieanlagen und gewerbliche Gebäude zuverlässig und effizient mit Strom versorgen.

archecon

Architektur & consulting GmbH Lars Fuhlbrügge

Seit 2018 befindet sich das Atelier von archecon im ehemaligen Versandgebäude des KWO. Die zweite Etage wurde zu einem großzügigen Großraum-Büro im Loft-Style ausgebaut.   

creatorShop GmbH

Lagerhalle 21auf dem KWO-Gelände

Geschäftsführer: Stefan Trepke

Internet-Handel von Waren verschiedener Art, insbesondere Werkzeuge, Bau- und Handwerksprodukte, Haushalts- und Gartengeräte.    

ONE MORE TIME Recommerce GmbH

Patrick Beukert, Geschäftsführer

Seit 2024 am Standort – An- und Verkauf sogenannter Liquidationswaren (Überbestände, Gebrauchtwaren, Retouren, beschädigte und unvollständige Artikel) sowie die Erstellung und ggf. Lizensierung von Software und Dienstleistungen für diesen Zweck.

Stop making Art

Kunstatelier  

fensterplatzfilm GbR

Leipzig, Berlin, Frankfurt
Komplettdienstleister für die Produktion von audiovisuellen Medien sowie professioneller Fotografie.  

GAW gGmbH

Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeitsfähigkeit und Wohlbefinden mbH.

Tochtergesellschaft der Institut für Arbeitsfähigkeit GmbH in Mainz. Unterstützung von Unternehmen und Institutionen in allen Bereichen des Betrieblichen Gesundheits- und Arbeitsfähigkeitsmanagements: Arbeitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF).

esi Elektranlagen GmbH

Errichtung, Projektierung, Planung, Bauleitung, Betreibung und Instandhaltung von Maschinen, elektrischen Anlagen und Systemen in der Industrie, dem Gewerbe und im häuslichen Bereich, Handel mit Elektromaterialien und elektrischen Geräten.

ingenieurbüro Schmidt & Partner

Ingenieurtechnische Leistungen in der Steuerungs- und Automatisierungstechnik für Kunden in der Industrie und im Gewerbe.

Mahalla

Im historischen Drehstromkraftwerk befindet sich seit 2021 das Kreativzentrum „Mahalla“ unter der Leitung des Künstlers Ralf Schmerberg.

Auf 9.000qm wird der Geist von „Elektropolis“, transformiert in einen alternativen Kulturort mit wechselnder Kunst und Spiritualität.

KWO

Planungen

Das Gelände von Johann Erich Wilms

Wir haben den Eindruck, dass der Eigentümer des KWO-Geländes in den letzten Jahren kaum in die Gebäudesubstanz oder die Infrastruktur investiert hat.

Die historische Bausubstanz des KWO ist für die heutige Produktion eine Herausforderung: Die Gebäude sind denkmalgeschützt, die Zufahrten sind eng, Erweiterungen und Ausbauten kaum möglich. Weite Gebäudeteile sind ungenutzt und stehen größtenteils leer.

Zukünftige Planungen für das Gelände sind uns nicht bekannt.

Hindernisse, die Sorge bereiten

1. Keine Kommunikation

Aktuell gibt es keinen uns bekannten Ansprechpartner und damit keinen Kontakt zur Wilms-Gruppe.

2. Gebäude-Leerstand

Bekannt ist, dass der Eigentümer seine Gebäude generell nicht verkauft. Auch dann nicht, wenn sie seit vielen Jahren leerstehen und verfallen. Und das, obwohl es offenbar viele Interessenten gibt.

Leerstehende Gebäude auf dem Wilms-Areal sind u.a.:

3. Kantine

Das Gebäude gehört zum Kabelwerk der AEG und ist ein eingetragenes Baudenkmal. Es wurde zwischen 1899 und 1900 als „Casino“ errichtet, steht für die Anfänge der betrieblichen Sozialpolitik. Und gilt es als hervorragendes Zeugnis für den Werkskantinenbau in Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg.

Der Industriesalon engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt des einsturzgefährdeten Gebäudes. Zusammen mit Fachleuten wurde die Neunutzung für ein „Elektropolis-Museum“ detailliert geplant. Bedingt durch mangelhafte Kommunikation zwischen Senat/Bezirk/Eigentümer sind die zugesagten Fördergelder inzwischen verfallen. Vielleicht gelingt ein Neustart mit privaten Investoren?

4. Uferweg

Bereits im Jahr 2009 hatte die Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick beschlossen, dass auf dem Grundstück Wilhelminenhofstraße 76/77 ein Uferweg gebaut werden soll. Dann könnten Spaziergänger und Studenten bequem zwischen dem Kaisersteg und der HTW Berlin am Spreeufer flanieren.

Das Bezirksamt signalisiert Gesprächsbereitschaft, doch die Instrumente zur Durchsetzung der staatlichen Planung sind begrenzt.
Der Eigentümer ist bis jetzt nicht bereit, seinen 400m langen Uferstreifen zu öffnen.
Er führt u.a. Sicherheitsbedenken an. Auf dem Gelände wird Kupfer verarbeitet, In den letzten Jahren gab es vielfach dreiste Diebstähle in großem Stil.

„Ufer frei“

Die Bürgerinitiative Schöneweider Ufer kämpft seit Langem dafür, dass der Uferweg für die Öffentlichkeit geöffnet wird. Sie organisiert regelmäßig die Schwimmdemonstration „Ufer frei!“. Im Rahmen des Schöneweider Brückenfests stürzen sich alljährlich Unterstützer an der Rückseite der HTW in die Spree und legen den abgesperrten Uferabschnitt bis zum Kaisersteg schwimmend zurück.